Archiv für den Monat: September 2012

Copyright: Zentrum für Naturheilverfahren - Landhaus Dr. Hesseln

Abnehmen durch eine Schrothkur?

Ein weiterer Blogbeitrag zu ganzheitlichen Naturheilverfahren. Nach der Felke-Therapie stellen wir Ihnen nun die Schrothkur genauer vor. Der Name dieser Kur stammt nicht etwa von Getreideschrot, sondern ist auf ihren Erfinder, Johann Schroth, zurückzuführen.

Dr. med. Susanne Neuy, Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, erklärt im Interview die Besonderheiten und den Ablauf der Schrothkur und warum die Kur bei Diät-Tests regelmäßig schlecht abschneidet.

 

Gesundheitsreise.de: Was versteht man unter einer Schrothkur?

Dr. Neuy: Die Schrothkur ist ein Naturheilverfahren, benannt nach Johann Schroth, der es vor fast 200 Jahren begründet hat.

Was bewirkt das Naturheilverfahren?

Bei der Schrothkur wird der Körper entgiftet und entsäuert, das vegetative Nervensystem wird reguliert und die Selbstheilungskräfte angeregt.

Wie läuft eine Schrothkur ab?

Die Kur besteht aus 4 Säulen: Die Diät, die Packung, die Schroth’sche Trinkverordnung und der Wechsel von Ruhe und Bewegung.

  • Die Schroth’sche Kurpackung
    ist eine Ganzkörperpackung. Frühmorgens angelegt regt sie den Kreislauf an, steigert die Durchblutung aller Organe und beschleunigt den Stoffwechsel. Überschüssige Säuren und Schadstoffe werden über die Haut ausgeschieden. Das sog. „Heilfieber“ aktiviert die Selbstheilungskräfte.
  • Die Schroth’sche Kurdiät
    ist eine kalorienarme, basische Kost ohne tierisches Eiweiß, ohne Fett und Salz. Auch wenn dies „fad“ klingen mag, sind die Mahlzeiten immer schmackhaft. Änderungen des Diätplans und individuelle Anpassungen sind dem Kurarzt  vorbehalten.
  • Die Schroth’sche Trinkverordnung
    Der rhythmische Wechsel von sog. „Trocken- und Trinktagen“ dient der Entlastung des Bindegewebes, also der Gewebsdrainage. Dieser „Schwamm-Effekt“ fördert den Reinigungsprozess des Körpers. Der Kurwein sowie die individuell benötigte Flüssigkeitsmenge werden je nach Krankheitsbild ärztlich verordnet. Der Wein ist jedoch keineswegs zwingend vorgeschrieben und kann durch Säfte, Wasser oder Tee ersetzt werden.
  • Ruhe und Bewegung
    Ein angemessenes Verhältnis von Ruhe und Bewegung trägt dazu bei Körper und Geist optimal zu regenerieren.

Warum gibt es bei der Schrothkur Wein?

Der Wein enthält viele gesundheitsfördernde Substanzen und entspricht bei der Kur einem Medikament. In verschiedenen wissenschaftlichen Studien konnten positive Effekte auf die Durchblutung, den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Psyche gezeigt werden. Der Wein ist kein „Muss“ und kann jederzeit durch Wasser, Tee oder Saft ersetzt werden. Selbstverständlich verbietet er sich bei Gegenindikationen.

Ist das Wenigtrinken an den Trockentagen nicht gesundheitsschädlich?

Die Schrothkur ist ein zeitlich begrenztes Naturheilverfahren, das über verschiedene Reize wirkt – u. a. den Wechsel von Trocken- und Trinktagen, um dieGewebsdrainage zu begünstigen.Die benötigte Trinkmenge wird dabei vom Kurarzt individuell je nach Krankheitsbild angepasst. Selbstverständlich gilt außerhalb der Kur die empfohlene Trinkmenge von etwa 2 Liter pro Tag.

Wie lange sollte eine wirkungsvolle Schrothkur dauern?

Mindestens zwei, besser 3 Wochen. In der zweiten Kurwoche erreichen die Entgiftung und die Entsäuerung ihren Höhepunkt. In der dritten Woche kommt es zur Regeneration und Stabilisierung, um einen lang anhaltenden Kurerfolg zu erreichen.

Welche Krankheiten können mit der Schrothkur am besten behandelt werden?

Die Schrothkur wirkt sich bei einer Vielzahl von Erkrankungen positiv aus. Bewährte Heilanzeigen sind u.a.  Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, bei erhöhten Cholesterin- und Blutfettwerten, erhöhten Harnsäurewerten und Gicht, Übergewicht. Bluthochdruck, Gelenk- und Rückenerkrankungen, chronisch entzündlichen Erkrankungen, Magen-Darm-Leiden, Hauterkrankungen. Vor allem zur Gesundheitsvorsorge eignet sich die Kur hervorragend. Es empfiehlt sich mit der Schrothkur nicht zu warten, bis Krankheiten auftreten, sondern sie als Chance zu nutzen, die Gesundheit zu erhalten.

Wann darf eine Schrothkur nicht durchgeführt werden?

Die Schrothkur darf u.a. nicht durchgeführt werden bei akuten Infektionserkrankungen, bösartigen Erkrankungen, bei schweren Herz-Kreislauferkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, bei schweren Erschöpfungszuständen, Leberzirrhose und Niereninsuffizienz, Schwangerschaft.

Warum schneidet die Schrothkur in Diät-Tests immer so schlecht ab?

Die Schrothkur ist keine Diät sondern ein Naturheilverfahren, das nur über einen begrenzten Zeitraum durchgeführt wird. Die Gewichtsabnahme ist eine angenehme Begleiterscheinung, im Vordergrund  steht jedoch die Gesundheitsvorsorge und die Linderung bzw. Heilung von Krankheiten.

Die Schrothkur eignet sich nicht für eine dauerhafte Ernährungs- und Lebensweise, weil die geringe Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr, die während der Kur indiziert ist, auf Dauer schädlich wirken würde und Mangelerscheinungen hervorriefe.

Kann ich eine Schrothkur auch zu Hause durchführen?

Nein. Die genaue Durchführung der Kur verlangt speziell ausgebildete Mitarbeiter, beispielsweise für die Packungen und die Kurdiät. Zudem sollte die ärztliche Versorgung durch einen Kurarzt gewährleistet sein, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen.

Copyright: Zentrum für Naturheilverfahren – Landhaus Dr. Hesseln

 

Dr. Susanne Neuy ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren. Sie ist die ärztliche Leiterin des Zentrums für Naturheilverfahren – Landhaus Dr. Hesseln. Das Privatsanatorium liegt in Oberstaufen (Allgäu), dem einzigen Schrothkurort Deutschlands.



Herzinfarkt – Symptome bei Mann und Frau

Herz-Kreislauferkrankungen sind eine häufige negative Begleiterscheinung der heutigen Zivilisationsgesellschaft. Fettreiches Essen, Bewegungsmangel sowie übermäßiger Stress können die Blutgefäße schädigen und langfristig einen Herzinfarkt verursachen.

Die Kardiologin Dr. med. Gabriele Augsten gibt im Interview mit Gesundheitsreise.de professionelle Informationen zum Thema Herzinfarkt und nennt nützliche Tipps zur individuellen Vorbeugung.

Gesundheitsreise.de: Welche Verhaltensweisen begünstigen die Entstehung eines Herzinfarktes?

Dr. Augsten: Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich erleiden etwa 250.000 Menschen einen Herzinfarkt, mehr als ein Drittel versterben auch heute, trotz besserer Diagnostik und Therapiemöglichkeiten daran. Das Herz ist der Motor unseres Körpers. Obwohl die Risiken und Risikofaktoren für einen Herzinfarkt auch durch die Medien heute allgemein bekannt sind, schenken die Menschen ihrem Herzen selbst immer noch zu wenig Aufmerksamkeit. Die Ursache für einen Herzinfarkt ist die Arteriosklerose, eine chronische Erkrankung der Arterien, die sich am Herzen als sogenannte koronare Herzkrankheit manifestiert. Durch bestimmte Risikofaktoren und Verhaltensweisen kann die Entstehung und das schnelle Fortschreiten dieser Gefäßerkrankung begünstigt bzw. beschleunigt werden. Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, arterieller Hypertonus, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, krankmachender Stress und andere. Eine familiäre Belastung mit Gefäßerkrankungen ist ebenfalls ein Risikofaktor. Deshalb ist es so wichtig, diese Risikofaktoren ernst zu nehmen, sie zu erkennen, auszuschalten und zu behandeln.

Was sind typische Symptome für einen Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt ist ein dramatisches, lebensbedrohliches Ereignis.Typisch sind starke Schmerzen im Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein beginnend mit Enge- und Beklemmungsgefühl, häufig verbunden mit Todesangst. Die Schmerzen können ausstrahlen, z.B. in den linken oder auch beide Arme, in den Hals oder Kiefer, aber auch in den Oberbauch oder zwischen die Schulterblätter. Häufig kündigt sich ein Herzinfarkt auch an, indem ähnliche Symptome, aber schwächer, schon Tage vorher wiederholt auftreten. Weitere Symptome können Übelkeit und Erbrechen, Schwindelgefühl, auch Bewusstlosigkeit sein. Man muss wissen, dass die Symptomatik bei einem Herzinfarkt auch weniger dramatisch sein kann. Besonders Diabetiker empfinden den Brustkorbschmerz als weniger intensiv, sind aber besonders gefährdet. Auch bei Frauen können die Symptome nicht so typisch in Erscheinung treten. Wichtig ist auf jeden Fall, Beschwerden, die auf einen Herzinfarkt hindeuten, sehr ernst zu nehmen und unverzüglich den Arzt aufzusuchen bzw. den Notdienst zu rufen.

Haben Frauen und Männer unterschiedliche Risikofaktoren für einen Herzinfarkt ? Zeigen sich auch unterschiedliche Symptome bei den Geschlechtern ?

Lange Zeit hat man einen Herzinfarkt für eine typische Männerkrankheit gehalten, auch in vielen Studien waren Frauen unterrepräsentiert. Erst in den letzten Jahren sind Frauen vermehrt ins Blickfeld gerückt. Grundsätzlich beginnt eine Erkrankung der Herzkranzgefäße bei Frauen später als bei Männern, Frauen sind zunächst bis zu den Wechseljahren durch ihre Hormone geschützt. Das hat jedoch zur Folge gehabt, dass sich auch Vorsorgemaßnahmen meist auf Männer bezogen haben. An einem Herzinfarkt versterben jedoch mehr Frauen als Männer. Auch sind die Überlebenschancen bei einem Herzinfarkt für Frauen schlechter als für Männer. Frauen und Männer haben zwar grundsätzlich die gleichen Risikofaktoren, jedoch ist die Wertigkeit der Risikofaktoren unterschiedlich: beispielsweise ist der Diabetes mellitus für Frauen ein schwerwiegenderer Risikofaktor als für Männer und Rauchen ist für Frauen ein noch höheres Risiko als für Männer. Auch die Symptomatik eines Herzinfarktes ist häufig bei Männern und Frauen unterschiedlich. Bei Frauen verlaufen die Symptome häufig nicht typisch, die typische Schmerzcharakeristik ist nicht so ausgeprägt, allgemeine Erscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein, Atemnot sind wesentlich häufiger. Das ist auch der Grund dafür, dass Frauen später den Arzt rufen als Männer und statistisch bei einem Herzinfarkt das Krankenhaus später erreichen als Männer. Deshalb ist es gerade für Frauen besonders wichtig, Risikofaktoren ernst zu nehmen und auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen.

Was kann man vorbeugend gegen einen Herzinfarkt tun?

Wir leben heute in einer Gesellschaft, deren Lebensweise den Herzinfarkt letztendlich begünstigt. Eine fettreiche Ernährung, Übergewicht, Zigarettenrauchen, zu wenig Bewegung, krankmachender Stress sowie hoher Blutdruck oder Diabetes mellitus können zu einer Schädigung der Blutgefäße, Arteriosklerose bis hin zum Herzinfarkt führen. Das Fortschreiten der Arteriosklerose verläuft zunächst langsam und unbemerkt. Deshalb ist es wichtig, seine Risikofaktoren zu kennen, vorbeugend etwas dagegen zu tun und sie zu behandeln. Eine gesunde Lebensweise beinhaltet Normalisierung des Körpergewichts, regelmäßige körperliche Bewegung, Verzicht auf Nikotin und auch, wenn möglich, Vermeiden von krankmachendem Stress. Hier können z.B. das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung hilfreich sein. Für ein regelmäßiges Ausdauertraining werden z.B. Wandern, Radfahren, Walken und Schwimmen empfohlen. Ein Kardio-Check dient dazu, Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, hohen Blutdruck zu entdecken und mittels bestimmter Untersuchungen wie EKG, Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchung des Herzens, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruck und anderen, die Funktion des Herz-Kreislaufsystems zu testen und evtl. bereits aufgetretene Folgeschäden zu erkennen. Vorbeugen ist besser als reparieren. Häufig lässt sich ein Herzinfarkt verhindern, wenn mittels Risikoabschätzung die richtige Diagnostik und Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann.

Copyright: Knappschafts-Klinik Bad Driburg

 

Dr. med. Gabriele Augsten ist Chefärztin der Knappschafts-Klinik Bad Driburg. Die Rehabilitations- und AHB-Klinik im Teutoburger Wald ist spezialisiert auf Herz- und Gefäßerkrankungen.



Anzeichen für Burn Out

Stress gehört zum Leben. Er spornt Menschen an, das Beste aus sich herauszuholen und eigene Grenzen zu überwinden. Doch in der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit neigen viele Menschen dazu, sich zu viel Stress zuzumuten, sei es beruflich oder im Privatleben. Wenn der Körper über einem langen Zeitraum permanent Stresssituationen ausgesetzt ist, kann er krank werden. Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind oftmals die Folge. Gesundheitsreise.de hat mit dem Dipl.-Psychologen Benjamin Martens über psychische Erkrankungen gesprochen.

Gesundheitsreise.de: Der Begriff „psychische Erkrankungen“ ist ein sehr weiter Begriff. Welche Indikationen fallen darunter?

Martens: Der Begriff psychische Erkrankung an sich ist sehr komplex und auch schwierig zu interpretieren. Wer von einem anderen Menschen als verrückt oder psychisch krank spricht, unterstellt meist auch gleichzeitig eine Art negative Abweichung von einer gewissen Norm. Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung, was psychisch normal ist und was nicht. Leider ist diese Vorstellung häufig alles andere als korrekt, vor allem bei Menschen, die sich nicht bewusst mit dem Thema „psychische Erkrankungen“ auseinander gesetzt haben. Ganz grundsätzlich ist eines der wichtigsten Kriterien für eine psychische Störung, dass der Betroffene (oder in eher seltenen Fällen auch sein soziales Umfeld) unter dem Verhalten leidet, das mit dieser Störung einhergeht. Dann gibt es natürlich ein großes Feld an psychischen Störungen. Diese beginnen bei „populären“ Erkrankungen wie Burn Out oder Depression, die meisten psychischen Erkrankungen jedoch sind dem Laien kaum bekannt. Daher ist es für Betroffene oder deren Angehörige und Freunde umso wichtiger, sich bei einem Verdacht an seriöse Experten zu wenden.

Wie erkennt man, dass man selbst oder ein Angehöriger unter einer psychischen Störung leidet?

Das hängt wiederum stark von der vorliegenden psychischen Störung ab und ist bei manchen Störungen eher und bei anderen für den Laien kaum möglich. Als Betroffener, Angehöriger oder Freund merkt man meist nur, dass sich die betroffene Person bzw. man selbst irgendwie verändert hat oder dass es ihr einfach nicht gut geht. Und das meist über längere Zeit und unabhängig von der Tagesstimmung. Wirklich feststellen, ob eine psychische Erkrankung vorliegt kann nur ein Experte, also ein geprüfter und ausgebildeter Psychotherapeut. Laien sollten sich hier vor Diagnosen oder Verdächtigungen hüten, da diese oft sehr schwerwiegende Folgen haben.

Immer mehr Menschen erleiden eine psychische Erkrankung, v.a. Burn Out ist derzeit in aller Munde. Woran liegt das?

Das muss man im Prinzip für jede einzelne psychische Störung auch einzeln analysieren und betrachten. Grundsätzlich sind psychische Störungen eigentlich nichts anderes als übertriebene Reaktionen auf die Umwelt oder bestimmte Lebensereignisse. Diese Reaktionen oder Mechanismen sind in ihrer normalen Ausprägung sogar meist sehr nützlich. So könnte man eine Depression beispielsweise als eine Art überzogene oder übertriebene (und damit dann nicht mehr gesunde) Form oder Ausprägung von Trauer oder Melancholie halten. Aber zurück zum Burn Out. Auch hier kann man wissenschaftlich sehr ins Detail gehen. Oder man kann meiner Meinung aber auch zusammenfassend sagen, dass wir uns als Menschen eine Umwelt erschaffen haben, die uns vielleicht nicht mehr in allen Facetten gut tut. Wir leben in einer sehr schnelllebigen und hektischen Zeit, die geprägt ist von Technologie und immer höheren Anforderungen an das Individuum. Das ist nicht in allen Teilen schlecht, sondern ja am Ende des Tages auch das, was wir Fortschritt nennen – mit allen positiven Nebeneffekten. Aber diese Welt und unser modernes Leben verursachen viel Stress. Unsere Vorfahren lebten in einer einfacheren Welt. Sie haben Stress in der Regel durch Bewegung abgebaut. Sie sind zum Beispiel einfach vor einer bedrohlichen (und damit stressbesetzten) Situation geflohen. Sie sind weggerannt. Die Natur hat uns diese körperliche Art des Stressabbaus quasi eingebaut. Tiere machen das übrigens heute noch so. Aber wir Menschen nicht mehr. Wir haben Bürojobs und können unseren Stress nicht einfach körperlich abbauen. So staut sich Stress auf und Stress ist eine der Hauptursachen für Burn Out.

Was kann vorbeugend gegen Burn Out und andere psychische Erkrankungen unternommen werden?

Das Wichtigste ist, dass jeder Mensch sich bewusst mit seiner eigenen Psyche auseinander setzt. Ich muss wissen, was mir gut tut und was nicht. Welche Situationen ich als stressend empfinde und in welchen Situationen ich mich wohl fühle und den eigenen Akku wieder aufladen kann. Das ist es, was wir bei psycheplus.de als psychische Gesundheitsvorsorge bezeichnen. Was nun die Dinge sind, die Menschen gut tun, kann man nicht pauschalisieren. Ein wichtiges Thema mit hohem Potential ist jedoch Sport. Sport wirkt stressabbauend und sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen. Damit ist er eine der effektivsten Vorbeugemaßnahmen gegen psychische Erkrankungen überhaupt.

Wie können Familienangehörige und Freunde dem Betroffenen helfen?

Auch das ist von der konkreten Problematik oder psychischen Störung abhängig. Grundsätzlich kann man am Besten helfen, wenn man die betroffene Person dazu bringt, von sich aus psychotherapeutische Hilfe anzunehmen bzw. aufzusuchen. Diese aktive Komponente bzw. intrinsische Motivation ist ein ganz wichtiger Baustein für den Behandlungserfolg. Ansonsten sind pauschale Ansätze auch hier schwierig. Man sollte das Thema nicht tot schweigen, ihm auf der anderen Seite aber auch nicht zu viel Gewicht geben, da sich der Betroffene sonst schnell zu stark unter Druck gesetzt fühlt. Und was auch immer hilft: Versuchen Sie, in Gesprächen mit Betroffenen auf positive Inhalte zu fokussieren, Möglichkeiten aufzuzeigen und zu vermitteln, dass er oder sie viele Ressourcen im Leben hat.

Benjamin Martens, Diplom-Psychologe und systemischer Coach, ist spezialisiert auf Persönlichkeitspsychologie sowie Klinische Psychologie. Martens ist Geschäftsführer vom Internetportal psycheplus.de, was neben der Therapievermittlung auch psychische Gesundheitsvor- und nachsorge bietet. Ein wissenschaftlicher Selbsttest bietet Betroffenen die Möglichkeit herauszufinden, ob sie an einer psychischen Erkrankung leiden und können sich außerdem in einem psychologischen Forum austauschen, das von Psychologen betreut wird.



Lomi Lomi Nui Massage

Hawaii ist für seine traditionellen Heilkünste bekannt. Die Lomi Lomi Nui Massage – auch hawaiianische Tempelmassage genannt – stammt von der Insel im Pazifischen Ozean. Nach meinem letzten Wanderwochenende habe ich einen Entspannungsnachmittag in einer Therme eingelegt und mir diese besondere Massage gegönnt.

Am Anfang heißt es ab auf den Bauch, natürlich auf die Massgebank. Der Lautsprecher verströmt sanfte hawaiianische Klänge; eine behagliche Atmosphäre, in der es leicht fällt loszulassen.

Die Therapeutin ölt meinen gesamten Körper mit einer Mischung aus angenehm duftendem Kokos- und Mandelöl. Bei der hawaiianischen Tempelmassage wird viel mehr Öl als bei einer klassischen Aromaölmassage verwendet, der Körper trieft sprichwörtlich vor Öl. Die Therapeutin erklärt mir, dass das notwendig ist, damit die Massagebewegungen fließend ineinander übergehen können. Es wird nicht nur mit den Händen massiert, sondern auch mit dem Unterarm und sogar dem Ellenbogen. Die Muskelverspannungen werden mit viel Körpereinsatz bearbeitet, was durchaus auch wehtun kann.

Die Therapeutin beginnt mit der Massage am Rücken und arbeitet sich langsam über die Hüfte zu meinen Beinen und Füßen vor. Die Körperstellen, die gerade nicht massiert werden, werden mit einem Handtuch abgedeckt.  Der Rücken bekommt dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da er nach hawaiianischer Tradition für die Zukunft steht und deshalb frei von Verspannungen sein soll. Es fühlt sich an, als würden die verschiedenen Körperstellen durch die Bewegungen miteinander verbunden werden. Durch den Einsatz der Unterarme und der Ellbogen wirkt die Massage noch intensiver. Anschließend drehe ich mich auf den Rücken und die Therapeutin massiert die Vorderseite meines Körpers. Die Berührungen im Gesicht sowie am Oberkörper sind durchaus intim und setzen ein gewisses Vertrauen in den behandelnden Therapeuten voraus. Wem es unangenehm ist, von einem Therapeuten des anderen Geschlechts massiert zu werden, kann dies bei der Buchung angeben, dass er nur von einem männlichen oder weiblichen Therapeuten behandelt werden möchte. Gerade die sanfte Massage an den Schläfen ist sehr befreiend und mein Körper entspannt sich. Die Therapeutin gönnt mir noch eine ausgiebige Nachruhe, so dass ich langsam von meiner Traumreise zurück in die Realität zurückkehren kann.

Nach der Massage fühle ich mich wirklich tiefenentspannt. Am Anfang war ich zugegeben sehr skeptisch, ob am aktuellen Hype um die hawaiianische Tempelmassage etwas dran ist, aber ich kann sie wirklich weiterempfehlen. Die Massage hilft den stressigen Alltag für ein paar Minuten zu vergessen und Muskelverspannungen zu lösen. Die Lomi Lomi Nui Massage ersetzt nicht den täglichen Bedarf an ausreichender Bewegung, um Muskelverspannungen langfristig vorzubeugen, aber gerade nach einem anstrengenden Wanderwochenende war sie wirklich der krönende Abschluss eines entspannten Nachmittages.

Noch ein kleiner Tipp: die Massage sollte immer am Schluss eines Wellnesstages stehen. Am besten schon vorher duschen, dann wird das Öl nicht gleich wieder abgewaschen. Die Kosten einer Lomi Lomi Nui Massage gehen bei den zahlreichen Anbietern sehr weit auseinander: der Preis einer 1,5stündigen Behandlung kann zwischen 80 und 180 Euro liegen. Eine Faustregel im Spa-Bereich besagt, dass jede Behandlungsminute etwa ein bis zwei Euro kostet. An dieser Richtlinie sollte man sich zumindest grob orientieren, um nicht unnötig Geld auszugeben.