Ein Experteninterview zum Medizintourismus

Wußten Sie eigentlich, was Medizintourismus ist? Um die besondere Form des Tourismus besser kennen zu lernen und die Beweggründe hierfür zu verstehen, haben wir dem Experten Helmut Wachowiak, Professor für Tourismusmanagement an der IUBH, folgende Fragen gestellt:

Gesundheitsreise.de: Was ist Medizintourismus?

Prof. Helmut Wachowiak: Unter Medizintourismus verstehen wir alle Reisen zu medizinischen Zwecken, die eine Indikation sowie eine darauf abzielende Behandlung zum Gegenstand haben. Also beispielsweise eine Korrektur der Sehkraft durch eine Laserbehandlung, Dentalbehandlungen, aber auch orthopädische, kosmetische und weitere Behandlungen. Nicht unter Medizintourismus fallen alle weiteren Gesundheits- oder Wellnessangebote. Im weitesten Sinne also keine Präventiv- sondern Therapiereisen.  Ungefähr 5 Prozent der Deutschen geben an, dass sie bereits für eine medizinische Behandlung ins Ausland gereist sind.

Gesundheitsreise.de: Was sind die Beweggründe für eine medizinische Behandlung im Ausland?

Prof. Helmut Wachowiak: Reha-, Kur-, Zahn- und Augenbehandlungen zählen laut unserer repräsentativen Umfrage „IUBH Touristik-Radar 2016“ zu den beliebtesten Auslandsbehandlungen. Insbesondere die postoperative Reha hat bei den Deutschen eine lange Tradition, vor allem in den osteuropäischen Staaten trifft der gute Ruf der Kurorte  auf vergleichbar günstige (Zuzahlungs-) Kosten. Auch bei Dental- und Augenbehandlungen ist die Beliebtheit über den günstigeren Preis zu erklären, da es sich in der Regel um privat abzurechnende Behandlungen handelt, die in Deutschland meist deutlich teurer sind. Die Qualität von derartigen Behandlungen im Ausland hat sich in den letzten Jahren durch spezialisierte Praxen und Kliniken verbessert und damit sinkt auch die Hemmschwelle der Deutschen sich im Ausland behandeln zu lassen. Zudem haben wir herausgefunden, dass die Verkürzung von zu langen Wartezeiten ein Motiv sein kann, ins Ausland zu reisen.

Gesundheitsreise.de: Worin können die Vorteile für Medizintourismus im Ausland gesehen werden?

Prof. Helmut Wachowiak: Die Top 3 der Gründe, die für medizinische Behandlungen im Ausland sprechen, sind: finanzielle Vorteile, die Möglichkeit eine Urlaubsreise mit dem Arztbesuch zu verbinden und Verfahren zu nutzen, die in Deutschland nicht durchgeführt werden. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich bei der Bereitschaft Arztbesuch und Urlaubsreise zu kombinieren: Knapp ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) gegenüber 26 Prozent in der Vorgänger-Studie 2012 gibt dies als Grund an. Dies wird unserer Ansicht nach zukünftig weiter zunehmen und zu einem festen Markt in der Touristik heranwachsen.

Zum Experten:

wachowiak_kleinHelmut Wachowiak ist Professor für Tourismusmanagement an der IUBH School of Business and Management. Aktuell sind die Tourismusstudiengänge der IUBH deutschlandweit die einzigen ihrer Art, die von der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) qualitätszertiziert sind. In der Vergangenheit war Prof. Dr. Wachowiak in leitenden Positionen im Wirtschafts- und Tourismus-Consulting tätig, spezialisiert auf die Themen Konsumentenverhalten, Machbarkeitsstudien und Destinationsmanagement-Strategien. Zwischen 1994 und 2005 gab er als Gastdozent Kurse im Fach Freizeit- und Tourismusgeographie an der Universität Trier. Seit 2005 lehrt er zudem Internationale Tourismusentwicklung an der Universität Rzeszów/Polen.

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