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Ein Experteninterview zur Schrothkur

Eine Schrothkur ist ein Naturheilverfahren, welches durch eine spezielle Fastenkost, tägliche Schwitzpackungen und dem rythmischen Wechsel aus Trink- und Trockentagen den Körper gründlich entgiftet und Giftstoffe ausscheiden lässt. Oberstaufen ist das einzige offiziell anerkannte Schroth-Heilbad in Deutschland. Um die besondere Form des Heilfastens besser kennen zu lernen und die steigende Popularität zu verstehen, haben wir der Geschäftsführerin der Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH, Bianca Keybach, folgende Fragen gestellt:

Gesundheitsreise.de: Welchen Sinn haben die Trockentage für meinen Körper, wenn man doch eigentlich mindestens 1,5 l am Tag trinken sollte?
Bianca Keybach: Bei einer Fastenkur nach Johann Schroth werden die Selbstheilungskräfte aktiviert. Der Körper befreit sich von allem, was ihm nicht gut tut. Das geschieht einerseits durch die salz-, eiweiß- und fettfreie Kost, die die Verdauung entlastet, durch die Schroth’schen Packungen, die in den Morgenstunden eine Art Heilfieber erzeugen und durch den rhythmischen Wechsel aus Trink- und Trockentagen.
Natürlich ist es nicht gesundheitsfördernd langfristig jeden zweiten Tag nur einen halben Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dass wir im Alltag so viel trinken sollen, liegt vor allem daran, dass die Flüssigkeit notwendig ist, um die Schadstoffe (Nikotin, Koffein, Konservierungsstoffe usw.), die wir ständig konsumieren, auszuschwemmen. Während der Schrothkur gibt es keine Genussgifte und die Schroth´sche Kost ist frei von all diesen Alltagsgiften.
Im Rahmen der zeitlich begrenzten Therapie sorgt am Trockentag ein Unterdruck und Sog in den Zellen dafür, dass Ablagerungen sich lösen. Am darauf folgenden Trinktag werden diese dann aus dem Körper transportiert. Das Prinzip ähnelt dem eines schmutzigen Schwammes. Wenn man diesen unter den laufenden Wasserhahn hält, wird er langsamer sauber als wenn man ihn immer wieder auswringt.
Die Trinkverordnung wird natürlich für jeden Patienten individuell vom Kurarzt festgelegt, so empfiehlt es sich z.B. für ältere Patienten oder Nieren- und Leberkranke mehr zu trinken.

Gesundheitsreise.de: Wieso darf man bei einer Schrothkur Wein trinken?
Bianca Keybach: Der Alkoholkonsum während der Schrothkur ist kein Muss und findet nur dann statt, wenn der Kurarzt es erlaubt und der Gast es möchte. Wenn dann erhalten Männer an den so genannten Trinktagen bis zu einem halben Liter hochwertigen, trockenen Kurwein, Frauen bis zu einem viertel Liter. Schon lange ist die positive Wirkung des moderaten Weinkonsumes wissenschaftlich belegt.

Gesundheitsreise.de: Warum hilft die Schrothkur bei Diabetes Typ 2?
Bianca Keybach: Bei den meist übergewichtigen Typ 2 Diabetiker purzeln durch die unterkalorische, salzarme Schroth´sche Kost schnell die Pfunde und der Blutdruck sinkt, was sich positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Die regelmäßige Bewegung während der Kur verstärkt diesen positiven Effenkt.
Die Entlastung des Stoffwechsels führt in einem zweiten Schritt oft dazu, dass die Bauchspeicheldrüse wieder besser arbeitet. Mit diesem Erfolg in zwei bis drei Wochen gehen die Betroffenen natürlich motiviert in den Alltag nach Hause zurück und viele nutzen die Gelegenheit, Ihren Lebensstil zu ändern. Wir unterstützen während der Kur, in dem wir die Diabetiker mit Ernährungsvorträgen, Schrittzähler-Wanderungen und Tipps zur besseren Alltagsgestaltung auf die Zeit danach vorbereiten.
Um die Wirksamkeit des Naturheilverfahrens auf Typ 2-Diabetes wissenschaftlich zu belegen, führen wir momentan zusammen mit der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München eine breit angelegte Studie durch. Alle Infos dazu gibt es übrigens auf www.schrothkur.de/studie – wir suchen immer noch Studienteilnehmer, die ihren eigenen Diabetes mit der Schrothkur verbessern möchten.

Gesundheitsreise.de: Wie sieht ein typischer Tag während einer Schrothkur aus?
Bianca Keybach: Ein typischer Schrothkur-Tag beginnt schon sehr früh: gegen vier Uhr wird der „Schrothler“ von einer speziell ausgebildeten Packerin geweckt. Ein Kräutertee und etwas Kurgebäck bereitet den Körper auf die anschließende Schwitzpackung vor. Dabei wird man in feucht-kalte Wickel und dicke Decken „gepackt“ – hinein kommen noch einige Wärmflaschen. Rund zwei Stunden bleibt man in diesem „Kokon“. Dabei kommt man ordentlich ins Schwitzen, womit die Giftstoffe, die sich über Jahre angesammelt haben aus dem Körper geschwemmt werden.
Das intensive Nachruhen nach der Packung sollte jeder einmal selbst erleben – nach diesem Schlaf wie ein Baby kann man ganz entspannt in den Tag starten. Zum Frühstück gibt es maximal ein Knäckebrot bzw. einen Zwieback mit Honig und ein Glas Tee. Danach gönnt man sich viel Ruhe, hat vielleicht einen Arzt- oder Massagetermin und wartet dann sehnlichst auf das Mittagessen. Das besteht vor allem aus gekochtem Gemüse, Kurgebäck und Trockenobst. Auch Reis und Graupen sind erlaubt.
An Trockentagen wird auch nachmittags empfohlen, sich Massagen und sanfte Bäder zu gönnen, Entspannungstechniken anzuwenden oder einfach nur ein gutes Buch zu lesen, um Körper und Geist die Möglichkeit zu geben „herunterzufahren“. An Trinktagen dagegen sollte man sich an der frischen Luft bewegen. Hier bietet sich die Allgäuer Bergwelt für ausgedehnte Wanderungen und Spaziergänge natürlich an.

Auch das Abendessen ist bunt und Gemüsereich. Das fehlende Salz wird oft durch Kräuter, Ingwer oder Meerrettich kompensiert. Rohkost ist während der Kur nicht kontraproduktiv. Der schöne Nebeneffekt dieser reduzierten Nahrungsaufnahme: in einer 3-wöchigen Fastenkur kann man bis zu 10% seines Körpergewichts verlieren.

Zum Abendessen oder danach gibt es ein Glas Wein oder Weinschorle und danach laden die zahlreichen Oberstaufener Abendlokale ein, bei einem zweiten Schorle das Tanzbein zu schwingen, was ebenso der Schroth´schen Bewegungstherapie entspricht.

Gesundheitsreise.de: Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit einer Schrothkur zu beginnen?
Bianca Keybach: Es gibt keinen „besten Zeitpunkt“ – den muss jeder für sich selbst finden. Es ist auf jeden Fall nie zu spät seiner Gesundheit mit einer Schrothkur etwas Gutes zu tun und vielen Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Die Schrothkur ist dabei der erste Schritt in Richtung „mehr Lebensqualität“.
Man sollte aber einen Zeitpunkt wählen, an dem man abschalten kann und den Kopf nicht im Alltag hat. Der Umgebungswechsel, die herrliche Allgäuer Landschaft und die frische Bergluft helfen dabei natürlich enorm. Die Schrothkur soll vor allem auch Genuss für Leib und Seele sein…

Gesundheitsreise.de: Kann ich die Schrothkur auch zuhause fortführen?
Bianca Keybach: Diese Frage hören wir sehr oft – und die Antwort darauf ist ganz einfach: Nein. Eine erfolgreiche Kur kann nur aus der Kombination aus verschiedenen Bereichen bestehen. Dazu gehört zum einen die ärztliche Betreuung durch einen spezialisierten Schrothkur-Arzt, der durch seine jahrelange Erfahrung jeden Patienten individuell betreut. Die Schrothkurpackerin, die nachts die feuchten Wickel anlegt, hat eine spezielle Ausbildung und bildet sich regelmäßig beim Deutschen Schrothverband fort. Und auch die Ernährung, die spezielle Schrothkur-Diät, ist streng geregelt und u.U. nur schwer selbst durchführbar.

Weitere Informationen zur Fastenkur nach Johann Schroth gibt es übrigens auf www.oberstaufen.de/schrothkur.

Bianca KeybachZur Expertin:
Bianca Keybach ist die Kurdirektorin von Oberstaufen und damit für alle touristischen Belange in Deutschlands digitalsten Kurort verantwortlich. Gleichzeitig ist sie Geschäftsführerin des Deutschen Schrothverband e.V. und überzeugte „Schroth’lerin“: jedes Jahr entgiftet sie ihren Körper mit einer Fastenkur nach Johann Schroth und kann somit ihre persönlichen Erfahrungen aus erster Hand weitergeben. Bianca Keybach ist gerne Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Schrothkur. bianca.keybach@oberstaufen.de, Tel. +49 8386 93000

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