Entspannung im Alltag – Mein Thermenbesuch im Friedrichsbad Baden-Baden

Ein Thermalbadebesuch bedeutet einen Kurzurlaub für die Seele, Flucht aus dem stressigen Alltag. Bei diesem novemberartigen Wetter im Mai, habe ich mich aufgemacht ins Friedrichsbad Baden-Baden, einer ganz besonderen Therme.

Das Friedrichsbad in Baden-Baden verspricht ein traditionsreiches Badeerlebnis wie im 19. Jahrhundert (eröffnet 1877). Es wurde nicht zu viel versprochen, schon der Eingangsbereich beeindruckt mit seiner Architektur und auch im Thermalbadebereich komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Wermutstropfen sind die Umkleidekabinen und der Sanitärbereich – sie versprühen einen 70iger-Jahre-Charme.

Das Friedrichsbad ist in zwei gleiche Flügel aufgeteilt, Männer und Frauen baden getrennt. Es gibt aber auch einige gemischte Tage. Zur Info: es ist Nacktbadepflicht! Für seinen Besuch braucht man nichts mitzunehmen; Badeschuhe, Handtücher sowie Cremes und Shampoo werden gestellt. Die Handtücher erinnern an römische Tuniken, auch wenn sie bei unserer nicht vorhandenen Wickeltechnik eher an ein Schlossgespenst erinnern 🙂

Insgesamt durchlaufen wir 17 Badestationen. Bekanntermaßen beginnt ein Thermenbesuch mit duschen – auch das schon ein Erlebnis. Riesige Duschköpfe aus dem 19. Jahrhundert versprühen einen Charme aus den Hochzeiten des Kurtourismus. Die Wasserregulierung stellt uns zunächst vor ein Rätsel, aber auch das ist schnell gelöst: ein monströser Hebel, den man von links und rechts schiebt, bestimmt die Temperatur.

Zunächst erwärmen wir unseren Körper in einem Heißluft- und Warmluftraum. Passende Badeschlappen werden ebenso gestellt – der Boden ist auch so heiß, dass man diese zwingend anziehen muss. Dann folgt je nach Buchung die Seifenbürstenmassage. Überschüssige Hautpartikel werden runtergeschrubbt – im wahrsten Sinne des Wortes – mit Entspannung hat das leider nicht viel gemeinsam. Was zum einen an der Geräuschkulisse liegt: die Massagebanken stehen mitten in einem Durchgangsraum zur nächsten Station, dem Dampfbad. Zum anderen erinnert die Seifenbürstenmassage eher an Fließbandarbeit – der russische Feldwebel, pardon die Masseurin, schrubbt im Akkord meinen Körper und gibt mir als Zeichen des Massageendes, einen Klaps auf dem Po mit den Worten „So, fertig, Aufstehen. Nächster bitte!“ Entspannung sieht anders aus, aber dafür ist unsere Haut nun perfekt vorbereitet für das Thermalbaden. Die Beckentemperatur der fünf Thermalbecken hat mit 36°C ihren Höhepunkt erreicht, anschließend wird es wieder kühler.

Das absolute Highlight ist der Kuppelsaal, eine von zwei Stationen, in denen Männer und Frauen stets zusammen sind. Hier wird die ganze Pracht der Badekultur des 19. Jahrhunderts sichtbar – man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. So viele Ornamente, Statuen, Verzierungen – wirklich beeindruckend! Schon deshalb hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt.

Die Überwindung wartete bei Station Nr. 13 – das Kaltwasserbad mit kalten 18°C. Aber schon bei der nächsten Station wartete die heiße Dusche auf uns. Gewärmte Badetücher wurden uns zum Abtrocknen gerreicht – herrlich! Eine eigene Cremestation gibt es auch, mit lecker duftenden Bodylotions. Die Luxusvariante besteht aus einer Crememassage – nach der enttäuschenden Seifenbürstenmassage haben wir das aber bleibenlassen. Dann ging es für eine halbe Stunde in den Ruheraum, wo wir in kuschelige Wolldecken gepackt wurden. Die Zeit verging buchstäblich wie im Schlaf – schlaftrunken ging es zur letzten Station, dem Leseraum. Bei einer Tasse Tee durchforsteten wir die neuesten Klatschmagazine.

Fazit meines Thermenbesuchs

Die Eintrittspreise haben es in sich – das Basispaket für 3 Stunden kostet 23 Euro. Aber es lohnt sich, in normalen Thermen wird es mir häufig schnell langweilig. Durch die vorgegebenen Stationen und Aufenthaltsdauern ist der Besuch im Friedrichsbad sehr abwechslungsreich, die teilweise schlechte Ausschilderung macht es ab und zu sogar fast stressig. Der Besuch ist sicherlich nichts für jedes Wochenende, aber es ist ein absolutes Highlight, nicht nur wenn man sich für die Geschichte des Gesundheits- und Kurtourismus interessiert 😉

Bildnachweis: Friedrichsbad Baden-Baden
Nähere Informationen zum Friedrichsbad: http://www.carasana.de/de/friedrichsbad/startseite/

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