Herzinfarkt – Symptome bei Mann und Frau

Herz-Kreislauferkrankungen sind eine häufige negative Begleiterscheinung der heutigen Zivilisationsgesellschaft. Fettreiches Essen, Bewegungsmangel sowie übermäßiger Stress können die Blutgefäße schädigen und langfristig einen Herzinfarkt verursachen.

Die Kardiologin Dr. med. Gabriele Augsten gibt im Interview mit Gesundheitsreise.de professionelle Informationen zum Thema Herzinfarkt und nennt nützliche Tipps zur individuellen Vorbeugung.

Gesundheitsreise.de: Welche Verhaltensweisen begünstigen die Entstehung eines Herzinfarktes?

Dr. Augsten: Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich erleiden etwa 250.000 Menschen einen Herzinfarkt, mehr als ein Drittel versterben auch heute, trotz besserer Diagnostik und Therapiemöglichkeiten daran. Das Herz ist der Motor unseres Körpers. Obwohl die Risiken und Risikofaktoren für einen Herzinfarkt auch durch die Medien heute allgemein bekannt sind, schenken die Menschen ihrem Herzen selbst immer noch zu wenig Aufmerksamkeit. Die Ursache für einen Herzinfarkt ist die Arteriosklerose, eine chronische Erkrankung der Arterien, die sich am Herzen als sogenannte koronare Herzkrankheit manifestiert. Durch bestimmte Risikofaktoren und Verhaltensweisen kann die Entstehung und das schnelle Fortschreiten dieser Gefäßerkrankung begünstigt bzw. beschleunigt werden. Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, arterieller Hypertonus, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, krankmachender Stress und andere. Eine familiäre Belastung mit Gefäßerkrankungen ist ebenfalls ein Risikofaktor. Deshalb ist es so wichtig, diese Risikofaktoren ernst zu nehmen, sie zu erkennen, auszuschalten und zu behandeln.

Was sind typische Symptome für einen Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt ist ein dramatisches, lebensbedrohliches Ereignis.Typisch sind starke Schmerzen im Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein beginnend mit Enge- und Beklemmungsgefühl, häufig verbunden mit Todesangst. Die Schmerzen können ausstrahlen, z.B. in den linken oder auch beide Arme, in den Hals oder Kiefer, aber auch in den Oberbauch oder zwischen die Schulterblätter. Häufig kündigt sich ein Herzinfarkt auch an, indem ähnliche Symptome, aber schwächer, schon Tage vorher wiederholt auftreten. Weitere Symptome können Übelkeit und Erbrechen, Schwindelgefühl, auch Bewusstlosigkeit sein. Man muss wissen, dass die Symptomatik bei einem Herzinfarkt auch weniger dramatisch sein kann. Besonders Diabetiker empfinden den Brustkorbschmerz als weniger intensiv, sind aber besonders gefährdet. Auch bei Frauen können die Symptome nicht so typisch in Erscheinung treten. Wichtig ist auf jeden Fall, Beschwerden, die auf einen Herzinfarkt hindeuten, sehr ernst zu nehmen und unverzüglich den Arzt aufzusuchen bzw. den Notdienst zu rufen.

Haben Frauen und Männer unterschiedliche Risikofaktoren für einen Herzinfarkt ? Zeigen sich auch unterschiedliche Symptome bei den Geschlechtern ?

Lange Zeit hat man einen Herzinfarkt für eine typische Männerkrankheit gehalten, auch in vielen Studien waren Frauen unterrepräsentiert. Erst in den letzten Jahren sind Frauen vermehrt ins Blickfeld gerückt. Grundsätzlich beginnt eine Erkrankung der Herzkranzgefäße bei Frauen später als bei Männern, Frauen sind zunächst bis zu den Wechseljahren durch ihre Hormone geschützt. Das hat jedoch zur Folge gehabt, dass sich auch Vorsorgemaßnahmen meist auf Männer bezogen haben. An einem Herzinfarkt versterben jedoch mehr Frauen als Männer. Auch sind die Überlebenschancen bei einem Herzinfarkt für Frauen schlechter als für Männer. Frauen und Männer haben zwar grundsätzlich die gleichen Risikofaktoren, jedoch ist die Wertigkeit der Risikofaktoren unterschiedlich: beispielsweise ist der Diabetes mellitus für Frauen ein schwerwiegenderer Risikofaktor als für Männer und Rauchen ist für Frauen ein noch höheres Risiko als für Männer. Auch die Symptomatik eines Herzinfarktes ist häufig bei Männern und Frauen unterschiedlich. Bei Frauen verlaufen die Symptome häufig nicht typisch, die typische Schmerzcharakeristik ist nicht so ausgeprägt, allgemeine Erscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein, Atemnot sind wesentlich häufiger. Das ist auch der Grund dafür, dass Frauen später den Arzt rufen als Männer und statistisch bei einem Herzinfarkt das Krankenhaus später erreichen als Männer. Deshalb ist es gerade für Frauen besonders wichtig, Risikofaktoren ernst zu nehmen und auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen.

Was kann man vorbeugend gegen einen Herzinfarkt tun?

Wir leben heute in einer Gesellschaft, deren Lebensweise den Herzinfarkt letztendlich begünstigt. Eine fettreiche Ernährung, Übergewicht, Zigarettenrauchen, zu wenig Bewegung, krankmachender Stress sowie hoher Blutdruck oder Diabetes mellitus können zu einer Schädigung der Blutgefäße, Arteriosklerose bis hin zum Herzinfarkt führen. Das Fortschreiten der Arteriosklerose verläuft zunächst langsam und unbemerkt. Deshalb ist es wichtig, seine Risikofaktoren zu kennen, vorbeugend etwas dagegen zu tun und sie zu behandeln. Eine gesunde Lebensweise beinhaltet Normalisierung des Körpergewichts, regelmäßige körperliche Bewegung, Verzicht auf Nikotin und auch, wenn möglich, Vermeiden von krankmachendem Stress. Hier können z.B. das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung hilfreich sein. Für ein regelmäßiges Ausdauertraining werden z.B. Wandern, Radfahren, Walken und Schwimmen empfohlen. Ein Kardio-Check dient dazu, Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, hohen Blutdruck zu entdecken und mittels bestimmter Untersuchungen wie EKG, Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchung des Herzens, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruck und anderen, die Funktion des Herz-Kreislaufsystems zu testen und evtl. bereits aufgetretene Folgeschäden zu erkennen. Vorbeugen ist besser als reparieren. Häufig lässt sich ein Herzinfarkt verhindern, wenn mittels Risikoabschätzung die richtige Diagnostik und Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann.

Copyright: Knappschafts-Klinik Bad Driburg

 

Dr. med. Gabriele Augsten ist Chefärztin der Knappschafts-Klinik Bad Driburg. Die Rehabilitations- und AHB-Klinik im Teutoburger Wald ist spezialisiert auf Herz- und Gefäßerkrankungen.

3 Gedanken zu „Herzinfarkt – Symptome bei Mann und Frau

  1. Herzinfarkt Symptome

    Sehr geehrte Frau Dr. med. Augsten,
    herzlichen Dank für diesen spannenden Artikel und den Hinweis auf die Unterschiede der Symptome zwischen Mann und Frau. Für viele Menschen ist das noch ein Irrglaube, dass nur Männer einen Herzinfarkt erleiden können.
    Ich hoffe sehr, dass sich das mit der Zeit in den Köpfen aller festigt.

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  2. Herzinfarkt Symptome

    Entschuldigen Sie bitte meinen zweiten Kommentar unter diesem Beitrag. Aber ich möchte mich gleich nochmals entschuldigen, dass Sie, Frau Schöniger, diesen Beitrag schrieben und nicht wie oben angenommen Frau Dr. med. Gabriele Augsten.

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