Mangelernährung im hohen Alter

Wieso kommt es bei älteren Menschen häufig zu Mangelernährung?

Im Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel, die Muskelmasse nimmt ab und die Fettmasse zu. Die körperliche Betätigung ist meist reduziert. Daraus resultierend sinkt der Energiebedarf. Was aber unverändert bleibt, ist die Zufuhrempfehlung für Vitamine und Mineralstoffe, bei Vitamin D ist diese sogar erhöht.
Das bedeutet, in weniger Masse müssen mehr Vitamine und Mineralstoffe vorhanden sein. Daher benötigen Senioren eine Kost mit einer hohen Nährstoffdichte.

Teilweise fällt es älteren Menschen schwer, sich gesund zu ernähren.
Gründe dafür sind ein fehlendes soziales Umfeld, Trauer, Depressionen, schlechter Appetit, Schmerzen oder Beschwerden, Krankheiten, geistige Beeinträchtigung, Medikamenteneinnahme, Mobilitätsprobleme, Kau- und Schluckbeschwerden sowie Mundtrockenheit und Supermärkte, die nur schwer zu erreichen sind.

Hinzu kommen schlecht lesbare Artikelbezeichnungen und Schwierigkeiten beim Öffnen von Verpackungen und dem Transport vom schweren Einkauf.
Die Motivation zur Zubereitung von Mahlzeiten fehlt gerade auch in Single-Haushalten. Dazu der nachlassende  Appetit durch mangelnde Bewegung an frischer Luft und ein längeres Sättigungsgefühl.

Vollkornprodukte, Fleisch, Obst und  Gemüse werden aufgrund von Kau- und Schluckstörungen bei schlechtem Gebiss-Status gemieden.
Mangelernährung beeinträchtigt den Gesundheitszustand. Gewichtsverlust führt zu Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Der Muskelabbau betrifft aber nicht nur den Bewegungsapparat, sondern auch die inneren Organe. Mangelernährung, die Nährstoffdefizite bedeutet, erhöht auch die Infektanfälligkeit. Medikamente werden schlechter vertragen.

Wie kann man Mangelernährung verhindern?

Noch nie war unser Angebot an Nahrungsmitteln so reichhaltig und abwechslungsreich wie heute und doch sind viele Senioren mangelernährt.
Oft werden die Zeichen für eine beginnende Mangelernährung von den Betroffenen und auch von den Angehörigen und Betreuern nicht wahrgenommen.
Gut ernährte Senioren überstehen Krankheiten leichter, haben eine bessere Wundheilung und viel mehr Lebensfreude.

Ältere Menschen sollten mindestens 1,5 Liter  Flüssigkeit zu sich nehmen. Das ist notwendig für die Nieren und für eine gute Verdauung. Bei weniger werdendem Durstempfinden können auch Suppen zur ausreichenden Flüssigkeitsversorgung beitragen. Ansonsten eignen sich salzarme Mineralwässer, Kräuter- oder Früchtetees. Auch gegen Kaffee oder ab und zu ein Glas Wein oder Bier spricht nichts dagegen.
Durch die Beeinträchtigung des Geschmack-und Geruchsempfindens sollte man vorsichtig mit Salz umgehen. Besser wäre es, das Essen mit frischen Kräutern abzuschmecken, da die Verdauungssekrete und dadurch der Appetit angeregt werden.
Empfehlenswert sind mehrere, etwa fünf kleinere Mahlzeiten einzunehmen.

Der Anteil an Frischkost sollte erhöht werden. Frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, fein geraspeltes Gemüse oder selber hergestelltes Kartoffelpüree können bei Schluckbeschwerden zu einer Vitamin- und Mineralstoffversorgung beitragen.

Feines Schrotbrot und Grahambrot werden in der Regel sehr gut vertragen.
Gut bekömmlich sind Sauermilchprodukte wie Buttermilch und Joghurt. Neben ihrem guten Geschmack haben sie zudem eine leicht abführende Wirkung.
Kann Fleisch nicht mehr gut gekaut werden, können gedünstetes Hackfleisch, aber vor allem Fisch verwendet werden.

Wie hoch sind die Mindestmengen an Lebensmitteln?

Die folgende Auflistung zeigt die Mindestmengen, die von einem/r Senior/in täglich aufgenommen werden sollten:

•    täglich eine warme Mahlzeit
•    täglich eine Portion Obst
•    täglich eine Portion Gemüse oder Salat, zubereitet mit Rapsöl
•    täglich mehrere Portionen Milch, Joghurt, Quark oder Käse
•    täglich eine Scheibe Vollkornbrot (ohne ganze Körner)
•    täglich eine Portion Fleisch, Fisch oder ein Ei
•    täglich etwa 1,5 Liter Flüssigkeit (Säfte, Mineralwasser, Suppe, Tee)

Sollte auch auf das Gewicht geachtet werden?

Regelmäßiges Wiegen und Dokumentieren des Gewichts hilft, eine beginnende Mangelernährung frühzeitig zu erkennen. Wer innerhalb eines Monats mehr als drei Kilogramm abnimmt oder im Laufe von sechs Monaten mehr als zehn Prozent seines ursprünglichen Gewichts verliert, gilt als gefährdet.

Was kann man tun, wenn es Betroffene im Familien- oder Bekanntenkreis gibt?

•    Auf jeden Fall mit dem Betroffenen reden.
•    Betroffene zum Essen einladen oder ein gemeinsames Kochen arrangieren
(denn essen in Gesellschaft macht mehr Spaß).
•    Mit dem Betreuer oder Hausarzt sprechen.
•    Beim Einkaufen unterstützen.
•    Vorlieben des Essens herausfinden und damit einen groben Speiseplan aufstellen.
•    Allgemein auf Nahrung mit hoher Nährstoffdichte oder „Vitaminbomben“ achten.
•    Kalorische Getränke können helfen an Gewicht zuzunehmen.
•    Mit dem Betroffenen Ausflüge machen oder spazieren gehen, denn durch mehr
Bewegung entsteht mehr Hunger.

Fazit

Mangelernährung hat grundsätzlich nichts mit dem Gewicht zu tun.
Entscheidend für eine gesunde Ernährung ist die Auswahl von Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte, die ausreichend Vitamine und Mineralstoffe liefern.
Es sollte daher auf eine abwechslungsreiche Kost mit viel frischem Obst und Gemüse geachtet werden! So reduzieren Sie außerdem das Risiko einer überhöhten Aufnahme unerwünschter Stoffe wie Cholesterin, Purine, etc.

Zudem sollte auch das gute Verhältnis der Hauptnährstoffe beachtet werden!
Der Fettanteil sollte nicht zu hoch sein und vor allem aus pflanzlichen Ölen stammen. Der Hauptanteil an Kohlenhydraten sollte aus Vollkornprodukten, Obst und Gemüse bestehen.

Je früher erkannt wird, dass bei einem Senior eine Mangelernährung droht oder gar schon besteht, desto besser lässt sie sich therapieren.
Daher gilt bei Mangelernährung: Genau hinschauen, frühzeitig diagnostizieren und sofort handeln!

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