Reisen mit Diabetes

Anreise, Zeitverschiebung, Klima, andere Essgewohnheiten und ein anderer Tagesablauf beeinflussen den Blutzuckerspiegel.
Ob Australien, Amerika oder Österreich, ob mit dem Flugzeug, der Bahn oder über die Autobahn: Wer seinen Diabetes gut im Griff hat, für den gibt es bei der Wahl des Reiseziels so gut wie keine Einschränkungen.
Eine gute Vorbereitung und Planung der Reise ist allerdings wichtig, um unschöne Zwischenfälle wie Unterzuckerungen oder Überzuckerungen während des Urlaubs zu vermeiden.
Diabetiker, die sich Insulin zuführen oder blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, können starken Blutzuckerschwankungen auch in der Ferne vorbeugen. Werden einige allgemeine Empfehlungen beachtet, steht einem entspannten Urlaub gewöhnlich nichts im Wege.
Wer sich weniger sicher fühlt, sollte Gegenden mit schlechter medizinischer Versorgung meiden, wie zum Beispiel Afrika…
Im Urlaub ist aber – zum Glück – einiges anders als zu Hause.
Da locken am Hotelbuffet exotische Spezialitäten, üppige Mahlzeiten und unwiderstehliche  Desserts, deren Einfluss auf den Zuckerspiegel kaum vorhersehbar ist.
Bewegungsmuffel entdecken plötzlich das Schnorcheltauchen, Wandern oder Mountainbiken. Kein Wunder, dass auch der Blutzucker dann häufiger Ausflüge nach oben oder unten macht.
Da hilft nur, die Werte öfter zu kontrollieren – und zu akzeptieren, dass sie in der schönsten Zeit des Jahres nicht immer perfekt sein müssen.
In folgendem Artikel erfahren Sie, was es vor Reiseantritt zu erledigen gilt, wie Sie entspannt und sicher reisen und was ins Urlaubsgepäck gehört, damit Sie Ihren Urlaub uneingeschränkt genießen können.
Auch wenn Sie erfahren im Umgang mit Ihrem Diabetes sind, hier einige Hinweise für Ihre Reise:

Allgemeine Hinweise

  • Generell wird empfohlen die doppelte Menge an Insulin und Blutzuckerteststreifen mitzunehmen, wie für die Reisedauer nötig sind.
  • Denken Sie an eine Reisekrankenversicherung, die diabetische Notfälle einschließt.
  • Erforderliche Impfungen sollten frühzeitig durchgeführt werden (einige Wochen vor der Abreise), da sie vorübergehend Ihre Diabeteseinstellung stören und zu Blutzuckerschwankungen führen können.
  • Wichtig: bestimmen Sie den Blutzucker auch am ersten Abend vor dem Schlafengehen – die größte Gefahr einer Unterzuckerung besteht nicht während des Fluges, sondern in der darauffolgenden Nacht.
  • Führen Sie stets Traubenzucker, kleine Snacks und Glukagonspritzen mit sich, um einer Unterzuckerung frühzeitig zu begegnen.
  • Wenn Sie einen Insulin – Pen benutzen, denken Sie daran, einen Ersatz – Pen mitzunehmen, im Falle dass er nicht mehr funktioniert.
  • Beachten Sie, dass Sie bei Sport weniger Insulin benötigen, ebenso wenn Sie bei heißem Wetter weniger essen.
  • Bei Durchfall und Erbrechen entgleist Ihr Mineral- und Wasserhaushalt schneller. Sie können sich nicht darauf verlassen, dass verzehrte Kohlenhydrate den Blutzucker ausreichend erhöhen.Trinken Sie daher viel mit Zucker gesüßten Schwarztee und essen Sie leicht verdauliche Kohlenhydrate, messen Sie den Blutzucker alle 1-2 Stunden.
    Gehen Sie rasch zum Arzt, wenn Durchfall und Erbrechen anhalten.


Lagerung von Insulin

Angebrochene Insulinpatronen oder Einweg-Pens sollten unter 30° C gelagert und innerhalb von 28 Tagen aufgebraucht werden.
Ihr Insulinvorrat sollte ebenfalls nicht Temperaturen über 30° C ausgesetzt sein. Einen guten Schutz vor Hitze bieten „Diabetestaschen“, die Kühl- und Isolierelemente enthalten. Solche Taschen erhalten Sie in jeder Apotheke.
Bei Flockungen, Schlierenbildung oder Farbveränderung sind Insuline zu vernichten. Sollte Ihr Insulin beim Kühlen gefroren worden sein, empfiehlt es sich ebenfalls das Insulin zu verwerfen.

Reisen mit dem Flugzeug

Alle nötigen Medikamente einschließlich Testmaterialien sollten Sie im Bordgepäck mitführen, da ein Koffer verloren gehen oder unsachgemäß behandelt werden  kann und auch die Temperaturen im Gepäckraum zu tief für Insulin sein können.

Das gehört ins Handgepäck (nicht nur bei Flugreisen)

  • Insulinvorrat
  • Pen und Spritzen
  • Blutzuckermessgerät und Ersatzbatterien
  • Blutzuckerteststreifen
  • Stechhilfe und Lanzetten
  • Internationaler Diabetikerausweis
  • Diabetestagebuch
  • Traubenzucker
  • Glukagon

Seit 2006 dürfen Flüssigkeiten nicht mehr in beliebiger Menge im Handgepäck transportiert werden. Ausnahmen, wie Menschen mit Diabetes dürfen Medikamente, Insulin und Getränke ohne Mengenbeschränkung mit an Bord bringen. Die Passagiere müssen diese an der Kontrollstelle getrennt vom übrigen Handgepäck vorlegen und den Bedarf begründen.

Beachten Sie die Zeitverschiebung bei Flügen über mehrere Zeitzonen!
Zeitverschiebungen von bis zu vier Stunden können durch kurzwirksame Insuline ausbalanciert werden.
Bei längeren Zeitverschiebungen muss die Dosis lang wirksamer Insuline angeglichen werden. Bei Flügen nach Osten sinkt der Insulinbedarf, da sich der Tag verkürzt.
Bei Flügen nach Westen steigt der Insulinbedarf, da sich der Tag verlängert.
Besprechen Sie die Anpassung mit Ihrem behandelnden Arzt.
Messen Sie mind. alle 3 Stunden Ihre Werte.
Gleichen Sie Blutzuckersteigerungen mit kurz wirksamem Insulin aus.
Streben Sie während der Reise lieber einen etwas höheren Blutzucker an. Wenn Sie mit dem Flugzeug verreisen, können Sie bei den meisten Fluggesellschaften auf langen Flügen Diabetikermahlzeiten vorbestellen.
Trinken Sie reichlich während des Fluges, aber vermeiden Sie Alkohol, da dies zu Blutzuckersenkung führen kann.

Wichtig! Ein ärztliches Attest (auch auf Englisch)

Das das Mitführen von Insulin, Spritzen, Pens, Stechlanzetten, Medikamenten, Glukagon-Set, Getränken etc. medizinisch begründet, kann Ihnen Ärger mit dem Zoll oder Flughafenpersonal ersparen. Dieses Attest sollte Ihr behandelnder Arzt ausfüllen.

Mit dem sicheren Gefühl, umfassend informiert zu sein, wird auch Ihre nächste Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen erholsamen Urlaub.

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