Reisen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei umsichtiger und rechtzeitiger Reiseplanung steht heute auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck die Welt offen. Die meisten von ihnen können bedenkenlos in ferne Länder reisen, sofern sie entsprechend geschult sind und wissen, was sie sich zumuten können.

Vorsicht ist bei extremen Bedingungen geraten – seien es außergewöhnliche klimatische Verhältnisse oder besondere körperliche Anstrengungen. Auch Tauchen und lange Autofahrten sollten sich Herzkranke möglichst nicht zumuten. „Generell empfehlen wir Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Aufenthalte in extremer Hitze, also etwa Wüsten- oder Tropenurlaube, extremer Kälte oder in Höhen über 3.000 Meter eher zu meiden“, sagt Dr. med. Ilse Janicke, Ärztin für Kardiologie und Leiterin der Bereiche Angiologie, Flugmedizin und Reisemedizin am Herzzentrum Duisburg.

Vor Planung einer Fernreise ist es sinnvoll, mit dem behandelnden Arzt mögliche Komplikationen durchzuspielen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Je nach Schwere der Erkrankung kann es notwendig sein, die Reisetauglichkeit zu testen, etwa durch ein EKG oder Belastungs-EKG.

Für die meisten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Flugreisen kein Problem. „Je nach Schwere der Erkrankung muss jedoch die Flugtauglichkeit getestet werden“, so Dr. Janicke. Der niedrige Luftdruck an Bord und die deshalb geringere Sauerstoffsättigung des Blutes können für ein angegriffenes Herz-Kreislauf-System belastend sein und zu Anpassungsproblemen mit Beschwerden, Beklemmungen und Luftnot führen. „Es gilt folgende Faustregel: Wenn jemand eine ebene Strecke von 50 Metern beschwerdefrei ohne fremde Hilfe zurücklegen oder symptomfrei 12 Stufen steigen kann, ist von Flugtauglichkeit auszugehen.“

Wer unter Bluthochdruck leidet hat bei adäquater Blutdruckeinstellung und der Möglichkeit zur Selbstmessung keine Einschränkungen beim Fliegen und bei Höhenaufenthalten zu erwarten. Das Hauptrisiko besteht im Blutdruckabfall durch Überdosis der Dauermedikation z. B. auch im Rahmen einer Dehydratation durch Schwitzen oder Durchfall. Bei langjährigem Bluthochdruck sollten Folgeschäden an Herz, Augen und Nieren vor der Reise abgeklärt werden.

Trägern von Herzschrittmachern sollten vor einer längeren (Flug)Reise eine Kontrolle durchführen lassen und den internationalen Ausweis an der Sicherheitskontrolle am Flughafen vorweisen. Das Risiko klinisch relevanter elektromagnetischer Interferenz z.B. bei Personenschleusen ist bei den heutigen modernen Geräten sehr gering. Trotzdem sollte man sich manuell kontrollieren lassen. Bei Auslandsreisen ist es ratsam, Kontaktadressen von Firmenniederlassungen oder Kliniken dabei zu haben, wo gegebenenfalls eine Abfrage oder Umprogrammierung vorgenommen werden kann.

Eine optimal bestückte Reiseapotheke ist eine Grundvoraussetzung für ungetrübte Urlaubsfreuden. Lebenswichtige Medikamente sollten am besten in doppelter Menge mitgenommen werden und unterwegs – sowohl während der An- und Abreise als auch im Urlaubsland – immer griffbereit sein. Auch sollten Betroffene für den Fall der Fälle immer eine Bescheinigung mit den wichtigsten Daten zu ihrer Herzerkrankung bei sich haben – am besten in der Landessprache oder in Englisch.

Außerdem sollten sich Herzkranke zu notwendigen Impfungen, aber auch zu möglichen Anpassungen oder Komplikationen hinsichtlich der Medikamenteneinnahme beraten lassen. Malariamittel etwa können bei Risikopersonen zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. Deshalb sollte die erstmalige Einnahme möglichst unter EKG-Kontrolle stattfinden. Wer an koronarer Herzkrankheit leidet, muss bei Aufenthalten in den Bergen sowie bei Flugreisen daran denken, dass Nitropräparate in großer Höhe eine stärkere Wirkung entfalten. Beim Sonnenbaden muss die Haut frühzeitig mit speziellen Sunblockern geschützt werden, wenn man Medikamente einnimmt, die unter Lichteinwirkung sonnenbrandähnliche Hautreaktionen hervorrufen können. Generell ist auf die regelmäßige Medikamenteneinnahme bei geändertem Tagesablauf im Urlaub unbedingt zu achten.

Am Urlaubsort angekommen, sollte man sich langsam an die ungewohnten Bedingungen gewöhnen und es in den ersten drei bis vier Tagen mit Besichtigungstouren und anderen Aktivitäten nicht übertreiben. „Stress und Hektik zu vermeiden – und zwar bei der Urlaubsplanung, der Anreise und vor Ort – gehört zu den wichtigsten Grundregeln für Herz-Kreislauf-Erkrankte“, sagt Dr. Janicke.

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Bildnachweis: djd/Ofa Bamberg

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