Reisen mit Immunschwäche

Für Menschen mit Immun-Abwehrschwäche besteht eine erhöhte Gefährdung durch Infektionserkrankungen. Reisen in feuchtwarme Tropen, Länder mit schlechten hygienischen Bedingungen oder abgelegene Gegenden mit unzureichender medizinischer Versorgung sind daher als Urlaubsziel ungeeignet. Das Centrum für Reisemedizin empfiehlt Betroffenen einen umfassenden Impfschutz.

Eine Immunschwäche kann mit einer Vielzahl von Erkrankungen einhergehen. Häufig tritt sie infolge einer Krebstherapie oder durch die Einnahme von Medikamenten auf, die das Immunsystem unterdrücken. Solche Immunsuppressiva müssen zum Beispiel bei Rheuma oder einer Autoimmunerkrankung wie Multiple Sklerose eingenommen werden oder wenn ein Organ transplantiert wurde.

Bei immungeschwächten Menschen funktioniert das körpereigene Abwehrsystem nicht so, wie es sollte. Jeder Krankheitserreger kann dann lebensbedrohlich sein – auch solche, die für gesunde Menschen harmlos sind. Patienten mit HIV-Infektion sind insbesondere dann infektionsanfällig, wenn sie eine niedrige Anzahl von Helferzellen haben.

„Die Einschränkungen und Risiken, denen immungeschwächte Menschen bei Fernreisen ausgesetzt sind, hängen stark vom Schweregrad der Immunschwäche ab“, sagt Dr. med. Fritz Holst, Leiter des Tropen- und Reisemedizinischen Zentrums Marburg. „Wir empfehlen Betroffenen, sich frühzeitig vor Planung einer Fernreise beim Reisemediziner oder Hausarzt beraten zu lassen.“

Ein umfassender Impfschutz ist für immungeschwächte Menschen besonders wichtig, allerdings reagieren sie oft unzureichend auf Impfungen. Deshalb sollten diese mindestens zwei bis drei Monate vor Antritt einer Reise erfolgen. Damit bleibt genug Zeit zu testen, ob sich genügend Antikörper gebildet haben. Gegebenenfalls ist eine Wiederholung der Impfung notwendig.

Je nachdem, wie stark eine Immunschwäche ausgeprägt ist, dürfen Betroffene keinen Lebendimpfstoff mit geringen Mengen funktionsfähiger Keime erhalten. Das gilt besonders für die Gelbfieberimpfung, die eine Erkrankung des Gehirns oder ein Multiorganversagen auslösen kann. Unter Umständen muss auf Reisen in betroffene Gebiete verzichtet werden.

Anders als bei gesunden Reisenden, ist eine Malaria-Prophylaxe für immungeschwächte Personen ratsamer als die Behandlung erst bei einem akuten Verdacht auf eine Infektion. Dabei müssen Patienten, die immununterdrückende Medikamente einnehmen, Wechselwirkungen mit dem Malaria-Präparat beachten.

Ein Antibiotikum gegen Reisediarrhö sollten Betroffene in jedem Fall im Gepäck haben. Denn Durchfallerkrankungen können bei Menschen mit Immunschwäche einen schweren Verlauf nehmen und überdies die Aufnahme von Medikamenten beeinträchtigen.

Treten nach der Rückkehr von einer Fernreise Beschwerden auf, sollten Betroffene frühzeitig einen Hausarzt oder Tropenmediziner aufsuchen, denn Infektionserkrankungen verlaufen bei ihnen häufig atypisch und oft auch schwerer.

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