Vorsicht bei Fitnessstudio Verträgen

Gerade am Anfang jeden Jahres, nach den Wintermonaten mit vielen Genüssen und wenig Sport, meldet sich in vielen der Wunsch nach mehr Bewegung und körperlicher Fitness.  Die motiviert gefassten Vorsätze lassen uns zu oft vorschnellen Entscheidungen hinreißen, wie dem Unterzeichnen eines Vertrags im nächstgelegenen Fitnessstudio.

Die Entscheidung, mehr für seine Fitness und damit vor allem für seine Gesundheit zu tun ist natürlich lobenswert, vor Vertragsabschluss sollten aber unbedingt einige wichtige Punkte beachtet werden. Seriöse Studios bieten die Möglichkeit eines kostenlosen Probetrainings oder sogar einer mehrwöchigen Probezeit, welches man unbedingt wahrnehmen sollte, um das Studio und die angebotenen Trainingsbedingungen auszutesten und besser kennenzulernen.

Erst nach diesem Test sollte die Entscheidung fallen, ob man sich langfristig an dieses Studio binden möchte oder nicht. Um keine Klauseln zu übersehen und nicht vorschnell zu unterschreiben nimmt man den Vertrag am besten erst mit nach Hause, um sich alles nochmal genau und ohne Druck seitens eines Studio-Mitarbeiters durchlesen zu können.

Welche kritischen Bedingungen oft in Verträgen vorkommen

Als erstes sollte die Laufzeit des Vertrages geklärt werden. In den meisten Studios kann man entweder monatsweise buchen, oder muss Laufzeiten von einem oder sogar zwei Jahren eingehen. Je länger man sich dabei vertraglich an das Studio bindet, desto billiger werden dabei die monatlichen Raten. Ob der eigene anfängliche Ehrgeiz tatsächlich so lange anhält, sollte man daher ehrlich selbst einschätzen.

Kündigung des Fitnessstudio Vertrages

Zusätzlich zur Vertragslaufzeit sollte man sich auch über die Kündigungsbedingungen genauestens informieren. Wie lange vor offiziellem Vertragsende muss gekündigt werden und welche Sonderkündigungsrechte bestehen? Sonderkündigungsrechte müssen laut gerichtlichen Urteilen bei schwerwiegender Krankheit (muss per ärztlichem Attest nachgewiesen werden!), bei Schwangerschaft sowie bei einem Umzug des Mitglieds außerhalb einer zumutbaren Entfernung eingeräumt werden. Bei Umzug des Fitnessstudios, egal bei welcher Entfernung, sowie bei Preis- oder Leistungs- und Angebotsänderung, darunter fällt auch eine Verkürzung der Öffnungszeiten, des Studios haben die Mitglieder auch das Recht auf eine fristlose Kündigung – gegenteilige Klauseln im Vertrag wurden gerichtlich als unwirksam festgelegt.

Die meisten Verträge verlängern sich ungekündigt automatisch weiter, für welche Laufzeit dies geschieht muss mit dem Studio abgeklärt, beziehungsweise verhandelt werden.

Für Personen, die einen längeren Urlaub oder arbeitsbedingten Aufenthalt, oder beispielsweise auch  eine OP planen, ist es wichtig zu wissen, ob der Vertrag während der offiziellen Laufzeit auch pausiert werden kann, um nicht umsonst Beiträge zahlen zu müssen. Manche Fitness-Center ermöglichen Ihren Mitgliedern sogar eine Aussetzung des Vertrages über die Sommermonate,  da viele in den warmen Monaten lieber auf eigene Faust in der Natur trainieren.

Gerade Berufstätige haben ohnehin nur wenig Zeit für Sport und nutzen aus diesem Grund die konzentrierten Angebote von Fitnessstudios. Vor allem kleinere Studios mit weniger Mitgliedern oder ohne die Unterstützung einer starken Marke im Hintergrund müssen das Angebot an Kursen zu den schwächeren Randzeiten oder in den Ferien aus Kostengründen beschränken oder sogar die Öffnungszeit des Studios generell verkürzen. Damit man nicht in der wenigen arbeitsfreien Zeit vor verschlossenen Türen steht, ist es wichtig, sich die Öffnungszeiten vom Personal bestätigen zu lassen.

Klauseln im Vertrag, die die Haftung des Studios bei Unfällen gänzlich ausschließen wurden ebenfalls gerichtlich als rechtlich unwirksam eingestuft. Gab es beispielsweise keine korrekte Einführung an den Geräten oder wurden diese mangelhaft gewartet, ist das Studio sehr wohl für Verletzungen von Mitgliedern an diesen haftbar.

Die meisten ziehen das Training im Fitnessstudio, vor allem als Sport-Anfänger vor, da sie individuelle Unterstützung und Beratung wünschen, um optimal und fehlerfrei trainieren zu können und gute Resultate zu erzielen. Man sollte daher abklären, inwieweit man anfangs in die Geräte eingeführt und auch über diese standardmäßige Einführung hinaus von den Trainern unterstützt wird und Hilfestellungen erhält oder ob diese Trainingshilfen Zusatzkosten verursachen.

Zusatzkosten verursachen in Discounter-Studios manchmal sogar das obligatorische Duschen nach dem Training oder die Nutzung von Trainingsgadgets wie Pulsmess-Uhren oder Wellness-Einrichtungen, wie beispielsweise der Sauna. Es gibt Betreiber, die für die sanitären Einrichtungen nochmal zusätzlich zum Monatspreis eine Pauschale verlangen oder bei jeder Nutzung einen bestimmten Betrag einfordern. Klären Sie unbedingt, wie das in dem Studio Ihrer Wahl gehandhabt wird, um unerwartete Kosten zu vermeiden.

Ein häufiger Streitpunkt zwischen des Studios und seinen Mitgliedern ist auch die Mitnahme von eigenen Getränken. Manche Studios versuchen dies zu verbieten, um die Sportler dazu zu bringen, die Getränke der Studio-Bar, oft zu überteuerten gastronomischen Preisen zu kaufen. Manche Gerichtsurteile haben hierzu festgelegt, dass es wohl auf die Höhe des Preises ankommt. Sind die Getränke zu einem „angemessenen“ Preis zu haben, ist diese Regelung erlaubt, sind Sie zu teuer müssen den Mitgliedern eigene Getränke erlaubt werden, andere stuften das Verbot von eigenen Getränken generell als unzulässig ein. Es gilt also auch hier, sich vor Vertragsabschluss gründlich über die Regelungen und Kosten im eigenen Studio zu informieren und selbst zu entscheiden, ob diese für einen persönlich in Frage kommen.

Verhandeln ist erlaubt

Sind diese oft kritischen Punkte, sowie die für Sie persönlich interessanten Bedingungen geklärt und entsprechen Ihrer Zustimmung können Sie nach reiflicher Überlegung die Vertragsverhandlung angehen. Versuchen Sie ruhig die unstimmigen Bedingungen zu verhandeln und fragen Sie Sonderkonditionen, beispielsweise von vergangenen Werbeaktionen, an.

Alles in allem gilt, sich bei der Vertragsunterzeichnung nicht unter Druck setzen zu lassen und sich genügend Zeit zu nehmen, um hinterher nicht negativ überrascht zu werden. Schließlich möchte man sich im Fitnessstudio ja rein auf seine Fitness und seinen Körper konzentrieren und sich nicht mit Vertragsstreitigkeiten auseinandersetzen müssen!

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